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Profil,
leicht neurotisch
Herbert
Feuersteins Film über Bastian
Pastewka im WDR
Von
EDO REENTS
MEDIEN
Montag, 30. Oktober 2000 --- Bayern Seite
24 / Deutschland Seite 24 / München
Seite 24
Bastian
Pastewka war zweite Wahl. Als nämlich
die Redaktion der WDR-Reihe Menschen
hautnah bei Herbert Feuerstein mit der
Bitte vorstellig wurde, ein
Prominenten-Porträt zu machen, wollte
dieser gleich eine Geschichte über
Anke Engelke machen. Aber die wollte das
lieber nicht wegen zu großer
persönlicher Nähe. Deswegen
musste Bastian Pastewka ran, sicherlich
einer der lustigeren Komödianten zur
Zeit im deutschen Fernsehen, der unter dem
brillanten Namen Brisko Schneider
unaufdringliche Komik bietet.
Pastewka war also zweite Wahl. Und
das war gut so, sagt Feuerstein. Persönlich
kannte ich ihn überhaupt nicht, habe
ihn immer schon mit großer
Faszination beobachtet, weil er auch bei völligem
Nichtstun komisch ist und zudem über
drei Eigenschaften verfügt, die mir
absolut fehlen: Präzision,
schauspielerische Wandlungsfähigkeit
und eine klare Aussprache. Was
Feuerstein betrifft, so ist seine
Aussprache aber auch nur in dem Moment
richtig unklar, wenn er auf dem
Zahnarztstuhl sitzt, um sich seinen
letzten Weisheitszahn vor laufender Kamera
ziehen zu lassen; und Pastewka leistet
schadenfroh Gesellschaft.
Schon diese Szene verdeutlicht, dass die
Sendung, die der WDR um 22. 30 Uhr sendet,
slapstickhaft angelegt ist und sich von
herkömmlichen Porträts
unterscheidet. Der Porträtierende ist
immer mit im Bild, und Herbert Feuerstein
weiß, was er mit seiner Präsenz
leistet: Man muss höllisch
aufpassen, dass man sich nicht in den
Vordergrund drängt. Schlimmer noch:
Man muss die Lacher dem anderen überlassen.
Ich habe gelitten wie ein Tier.
Feuerstein ist es nicht gelungen, sich
zurückzuhalten; er hat es auch nicht
wirklich versucht. Und das ist ein Glück
für den Film, der von einem latenten
Psychoterror lebt, wie man ihn von allen
großen Komikerpaaren kennt, die
bereit sind, Bosheiten in Kauf zu nehmen,
wenn dabei nur etwas Geistreiches
herauskommt.
Die Film-Idee war denn auch, dass sich
Feuerstein und Pastewka abwechselnd in
Situationen bringen, in denen der jeweils
andere noch nicht war. Pastewka muss also
mit dem Piloten Feuerstein einen Ausflug
in einer kleinen Maschine machen,
Feuerstein seinerseits mit zu McDonalds.
Sie sitzen zusammen im Wellness-Bad und
erkunden Pastewkas Heimatstadt Bonn. Da
fahren sie dahin im offenen Cabriolet, in
dem sie sich vorkommen wie zwei
Schwuchteln, wie Pastewka witzelt,
vorbei an seiner Grundschule und seinem
Lieblingsimbiss.
Es ist beiläufig inszenierter
Alltag, durch den die Protagonisten uns in
dem ununterbrochenen Bewusstsein führen,
dass es Fernsehen ist, was sie da treiben,
das Amateurhafte dabei nicht scheuend,
sondern als Stilmittel nutzend. Das Ganze
ist mit gut dosiertem Chaos angereichert,
in das sich der misanthropische Feuerstein
(Ich mag ja nicht mal mich
was soll ich da mit den anderen machen?)
und der tapsige Pastewka ein ums andere
Mal hineinlocken. Bei den milden Bloßstellungen
kommt das Personenporträt
streckenweise zu kurz, das ist die Stärke
des Films, der nicht mit penetranten
Fragereien langweilt.
Was, über die guten Einfälle
hinaus, die Sache so ansehnlich macht, das
ist die Anti-Haltung: Feuerstein und
Pastewka verweigern sich jener
Zwangskomik, die schnell anstrengend wird,
wenn das Bedürfnis nach pausenlosen
Lachern einmal geweckt ist. Es ist ein
Film, der trotz seiner guten Laune nicht
selbstgefällig wirkt, leicht und
trotz gelegentlicher Hektik beinahe
anstrengungslos. Manchmal ist die
zweitbeste Lösung eben doch die
beste. SZ
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