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«Im
Alter werde ich enthemmter»
- Herbert Feuerstein wird 65
Von
Heiko Brohm
Dienstag,
11. Juni 2002
Köln
(dpa) - Herbert Feuerstein ist der
Inbegriff skurriler Fernsehunterhaltung.
Lange bevor das Wort Comedy im Deutschen
gebräuchlich wurde, erfand der gebürtige
Österreicher zusammen mit Harald
Schmidt die chaotische Kultsendung «Schmidteinander».
Dabei kam Feuerstein nur über Umwege
zum Komikfach. Sein erstes Geld verdiente
er sich als Journalist in New York, bevor
er Chefredakteur des Satiremagazins «Mad»
wurde. Am Samstag (15. Juni) feiert der
Autor, Publizist und Komiker seinen 65.
Geburtstag.
Persönlich gibt sich Feuerstein zurückhaltend.
«Ich bin ein sehr privater Mensch,
von Partys gehe ich immer als erster nach
Hause», sagt Feuerstein. Seine Zeit
verbringe er am liebsten beim Arbeiten
oder mit seiner Ehefrau: «Ich habe
das Glück, mit der wundervollsten
Frau der Welt verheiratet zu sein. Das
reicht mir.»
Der nach eigenen Angaben «total gläubige
Atheist» verbrachte seine Kindheit in
der Nähe von Salzburg in Österreich.
Zunächst schlug Feuerstein einen ganz
seriösen Weg ein: Er studierte Musik
am Salzburger Mozarteum und zog dann nach
New York, um bei der deutschsprachigen «New
Yorker Staatszeitung» und dem österreichischen
Generalkonsulat zu arbeiten.
Erst mit seiner Rückkehr nach
Deutschland Ende der 60er Jahre begann die
Karriere Feuersteins als Komiker. Als «Entwickler
höheren Blödsinns» wurde er
Chefredakteur des Satiremagazins «Mad».
Hier entfaltete er erstmals öffentlich
seinen skurrilen Humor, der später zu
seinem Markenzeichen wurde. «Die Zeit
bei "Mad" ist für mich
heute noch der Höhepunkt meiner
Laufbahn», sagt Feuerstein.
Einem größeren Publikum wurde
Feuerstein als Partner von Harald Schmidt
in der Kultfernsehshow «Schmidteinander»
bekannt. Dort verkörperte er den Prügelknaben,
der kleinlaut am Katzentisch in der Ecke
saß und vermeintlich unter Schmidt
leiden musste. Für seine «anarchische
Originalität» erhielt Feuerstein
1994 den Fernsehpreis «Bambi»
und den Grimme-Preis.
Auch nach dem Ende von «Schmidteinander»
1995 blieb Feuerstein dem Fernsehen treu.
Unter anderem spielte er in verschiedenen
Filmen mit. Heute gehört er zum
Ensemble der Kabel-1-Show «Was bin
ich?» - seine sonstige TV-Präsenz
hat er zurückgeschraubt. «Ich
mache nicht mehr gerne so viel Fernsehen.
Ich habe immer Nischenhumor angeboten, den
übernimmt heute Harald Schmidt. Der
ist 20 Jahre jünger.»
Feuerstein wendet sich jetzt mehr dem
Theater und der klassischen Musik zu. «Im
Alter werde ich enthemmter. Wenn sich das
richtige Orchester findet, dann werde ich
auch nochmal dirigieren.» Deutscher
ist Herbert Feuerstein erst seit zehn
Jahren. 1992 nahm er die Staatsbürgerschaft
an - um endlich «Deutschland als
Deutscher zu beschimpfen». (C)
dpa, 11.6.2002 - Alle Rechte vorbehalten -
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