 
"DIE
FLEDERMAUS" in der Oper Köln
Premieren-Report
von Gerrit Busmann
26.
Mai 2003
Als
letzte Premiere vor der Sommerpause wurde
dem Publikum der Kölner Oper noch mal
ein regelrechtes Bonbon serviert: die wohl
berühmteste Operette der Welt: "Die
Fledermaus" von Johann Strauß.
Viele namhafte Sängerinnen und Sänger
wurden eigens dafür engagiert, außerdem
als Dirigent der Strauß-Spezialisten
Friedrich Haider aus Wien und für die
Regie der berühmte Schauspieler und
Regisseur Helmuth Lohner. In der
Sprechrolle des Gefängniswärters
"Frosch" kann man darüber
hinaus Fernsehstar Herbert Feuerstein
erleben. Eine vielversprechende Besetzung.
Und darum geht es: Alfred, der heimliche
Verehrer, bringt Rosalinde von Eisenstein
seine Ständchen. Aber Rosalinde ist
verheiratet und zwar mit Gabriel von
Eisenstein. Der ist gerade wütend,
denn er muss wegen Polizistenbeleidigung
sieben Tage ins Gefängnis.
Eisensteins Ärger verfliegt, als sein
Freund Dr. Frank ihn noch vor Haftantritt
zu einer großen heimlichen Party
einlädt.
Rosaline ist glücklich, sie hat
endlich Zeit für ihren Lover Alfred.
Und Gabriel von Eisenstein ist glücklich,
denn er freut sich auf eine lustvolle,
rauschende Fete. Und die gibt der
steinreiche aber ewig gelangweilte Prinz
Orlowsky. Gabriel baggert als erstes eine
ungarische Gräfin an. Er weiß
nicht, dass es seine eigene Frau ist, die
sich nur verkleidet hat. Der Zoff ist
vorprogrammiert. Aber natürlich wird
die Sache nicht dramatisch, denn das Ganze
ist ja eine Operette und soll doch einfach
Spaß machen.
"Die Fledermaus" hat nicht nur
viele musikalische Gassenhauern zu bieten,
sondern auch etliche komödiantische
Sprechszenen. Ein Highlight: der Auftritt
von Gefängniswärter Frosch -
gespielt von TV-Star Herbert Feuerstein.
Und der nimmt hier erst mal die Kölner
Politiker aufs Korn.
Neben manch frechen Textpassagen gibt es
in dieser Aufführung jede Menge kräftigen
Blödsinn. Überhaupt hat
Regisseur Helmuth Lohner heftig auf die Blödel-Tube
gedrückt. Weniger wäre hier wohl
mehr gewesen. Die dezenten Regieschwächen
dieser Kölner "Fledermaus"-Inszenierung
machen aber die großartigen Sänger
wieder wett. Und so ist es denn trotz
mancher Albernheiten ein gelungener Abend
geworden. Nach der Premiere gab es denn
auch langanhaltenden, stürmischen
Applaus. Die Zuschauer äußerten
sich fast durchweg positiv.
Und hier die Lokalzeit-Kritik:
Die Sänger und Musiker:
Das Orchester unter Friedrich Haider
verbreitet eine schwungvolle
Walzer-Laune, die die Sänger auf
der Bühne mit launiger
Spielfreude weitergeben. Vor allem
aber bekommt man viele grandiose
Stimmen zu hören - das hat schon
Weltklasse-Niveau.
Fünf Sterne für die Sänger
und Musiker.
Die Regie:
Helmuth Lohner hat diesen
Operetten-Klassiker mit vielen
spaßigen Ideen inszeniert
und dabei die Story von vorne bis hinten
mit plakativem Klamauk
ausstaffiert. Dadurch ist der Abend zwar
sehr witzig, vieles wirkt aber doch zu
dick aufgetragen.
Drei Sterne für die Regie.
Das Lokalzeit Gesamt-Urteil:
Das Ganze ist ohne Frage ein rundum
unterhaltsamer Abend, der zwar streckenweise
arg klamottig geraten ist, der aber
allein schon wegen der überragenden
Stimmen sehr zu empfehlen ist.
Vier Sterne für für "Die
Fledermaus" in der Kölner Oper. (C)
WDR Online, 26.5.2003 - Alle Rechte
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