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Märchenfilm im Spreewalddorf

17. September 2007


Lübbenau (ddp-lbg). Luise Jaeger ist aufgeregt. «Ich soll die Freundin des Bauern Frieder spielen», sagt die Abiturientin des Paul-Fahlisch-Gymnasiums Lübbenau. In der Neuverfilmung des Märchenfilms «Frau Holle» hat die 18-Jährige, die perfekt Geige und Saxophon spielt und als Mariechen der Lübbenauer Funkengarde übers Parkett wirbelt, eine Rolle bekommen, - allerdings ohne Worte. Nur als Statistin darf sie vor die Kamera treten, wenn am Dienstag die Dreharbeiten im Freilandmuseum Lehde beginnen.

Etwa 40 von 180 Bewerbern wurden als Komparsen ausgewählt. Die 8- bis 80-Jährigen aus dem Spreewald sollen die dörfliche Idylle von vor 200 Jahren wieder zum Leben erwecken. «Wir stellen das alte Interieur in den 13 Gebäuden unserer historischen Hofanlagen zur Verfügung», sagt die Leiterin des Spreewaldmuseums Lübbenau/Lehde, Roswitha Winter. Auch das Ambiente des alten Spreewalddorfes habe es den Filmemachern angetan.

Viele deutsche und ausländische Filmemacher haben sich bisher an dem Märchen der Gebrüder Grimm um die Gold- und die Pechmarie versucht. Jetzt will der 57-jährige Regisseur und Krimi-Autor Bodo Fürneisen («Die Geschichte vom goldenen Taler»/1984, «Die Weihnachtsgans Auguste»/1988, «Wolffs Revier», «Kommissar Rex») den erfolgreichen Spiel- und Zeichentrickfilmen eine neue, klassische Märchenversion hinzufügen. Das Drehbuch schrieb Marlies Ewald.

Den Film produziert die Potsdamer Anteus Film GmbH im Auftrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) für eine sechsteilige Staffel neuer ARD-Märchenfilme. Er soll im Advents- und Weihnachtsprogramm 2008 seine Premiere haben. Zu den Hauptdarstellern gehören Herbert Feuerstein, der die Geschichte erzählt, Johanna Gastdorf, Peter Prager und Franziska Troegner.

Für die ersten Aufnahmen im 2000 Quadratmeter großen Museumsgelände auf der Dolzke-Insel bei Lübbenau ist alles vorbereitet. Ein alter Leiterwagen mit einem Schleifstein steht bereit. Mit ihm zieht Herbert Feuerstein als Scheren- und Messerschleifer von Haus zu Haus und erzählt die Geschichte von der fleißigen und der faulen Tochter einer Witwe. Auch beim Bäcker im Dorf, dem Böttcher, Korbmacher und Töpfer wird haltgemacht.

«Der dörfliche Charakter von Lehde soll in dem Märchenfilm eine dominierende Rolle spielen», sagt Sabine Preuschhof vom RBB. Das Dorfleben werde originalgetreu nachgestaltet, wie es früher einmal war. So sei eine Tanzfläche aufgebaut worden, auf der die Jugend des Dorfes ihr traditionelles Frühlings- und Erntefest feiert. Auch in den ehemaligen Stallanlagen des Museums ziehe wieder tierisches Leben mit Kühen und anderen Tieren ein. Die alten Waschgeräte mit dem Rubbelbrett spielen ebenso im Märchenfilm eine Rolle wie das Drei-Generationen-Bett.

Für zusätzliche Spannung soll ein sprechender Rabe sorgen. Sein Text und die digitalen Spezialaufnahmen mit Frau Holle im Himmel entstehen später im Berliner Filmstudio an der Havelchaussee. Zunächst werden jedoch bis zum 28. September in Lehde die Außenaufnahmen gedreht. 


© ddp - 17.9.2007 - Alle Rechte vorbehalten -