 
RBB
verfilmt für das Erste in Lehde und Berlin
das Märchen mit Herbert Feuerstein
Der Glücksfall für Frau Holle
29.
September 2007
VON DANIELA KÜHN
Die Sonne meint es
gut an diesem Tag im September. Märchenhaft
strahlt sie auf das idyllische Freilandmuseum in Lehde. Auf einer
kleinen Holzbühne tanzen ein Dutzend Paare in historischen
Bauernkostümen. Die Musik spielt, bunte Bänder
flattern in den Bäumen, die Menschen sind vergnügt.
Sie feiern die Rückkehr der Goldmarie. Im Spreewald hat der
RBB im Auftrag der ARD das Märchen «Frau
Holle» verfilmt. Herbert Feuerstein, Johanna Gastdorf und
Franziska Troegner geben den Figuren ihr Gesicht.
Im Freilandmuseum Lehde (Spreewald) sind alle
irdischen Szenen entstanden.
Fast ist die letzte Szene des Märchens im Kasten. Die
Dorfbewohner feiern die Rückkehr der Goldmarie aus dem Reich
der Frau Holle und – anders als im Original der
Gebrüder Grimm – die Versöhnung mit der
einst faulen Schwester. Alle Episoden des Klassikers, die auf der Erde
spielen, sind in dem Freilandmuseum Lehde entstanden.
Regisseur Bodo Fürneisen ( «Die Weihnachtsgans
Auguste» , Polizeiruf 110, Kommissar Rex) ist hochzufrieden
an diesem sonnigen Tag – mit dem Wetter, dem Team, den
Schauspielern – «alles Wunschkandidaten»
– und auch mit der Wahl des Drehortes. «Der
Spreewald war für uns die
Riesenüberraschung» , sagt er. «Wir
hätten kein Dorf nachbauen können. Das hier ist der
absolute Glücksfall.»
Die Atmosphäre im Hof des Freilandmuseums ist friedlich. Die
Schauspieler sind gut gelaunt und jeder der mehr als 70 Mitarbeiter am
Set weiß genau, was er zu tun hat. Zwischen
Weidenkörben und Strohballen liegen die Schienen für
den Kamerakran. Gleich neben den Scheinwerfern steht eine Kuh. Gedreht
wird mit lebenden Tieren. Fernsehtechnik und Natur teilen sich den
Platz.
Herbert Feuerstein schreitet an Spreewaldhäusern und
Heuschobern vorbei über den Hof zu seinem
Scherenschleiferwagen. Sein Wildledermantel schwingt mit jedem Schritt.
Er setzt sich seinen schwarzen Hut zurecht. In der Neuverfilmung
erzählt Feuerstein als Scherenschleifer Timor die Geschichte
von den zwei ungleichen Schwestern Luise (Camille Dombrowsky), der
Schönen, aber Faulen, und Marie (Lea Eisleb), der
Fleißigen und Warmherzigen. Die Witwe Weber, die Mutter der
Mädchen, spielt Johanna Gastdorf ( «Sophie Scholl
– Die letzten Tage» ,
«Kammerflimmern» ). Franziska Troegner (
«Hallervordens Spottlight» , «Charlie and
the Chocolate Factory» ) übernimmt die Rolle der
Wirtin Hermine Krüger.
In der Drehpause setzt sich Franziska Troegner neben Feuerstein.
«Seitdem du bei uns im Dorf bist, wird alles
besser» , sagt sie mit einem Augenzwinkern. Beide
fühlen sich wohl mit und in ihren Rollen. «Das
Märchen ist mir noch geläufig, ich habe ja auch schon
Frau Holle gespielt» , erzählt Troegner.
Fünfjährig schon ein Bücherwurm, kennt auch
der selbsternannte «Frühleser» Feuerstein
die Geschichte. «Aber wir erzählen sie nicht mit
einem so grimmigen Ende wie die Gebrüder Grimm» ,
verrät er. «Unsere Pechmarie bekommt eine zweite
Chance.» Dieses moderne Ende nach dem Drehbuch von Marlis
Ewald ist ganz im Sinne des Regisseurs. «Wir sind
versöhnlicher, optimistischer. Die Pechmarie wird wieder in
die Gesellschaft aufgenommen. Das ist doch eine schöne,
aktuelle Moral» , sagt Fürneisen.
Grimms Märchen haben schon immer zu den
Lieblingsmärchen des Schauspielers Feuerstein
gezählt. Sein Favorit war das
«Rotkäppchen» . «Als ich als
kleiner Junge in einem Tierpark meinen ersten Wolf gesehen habe, soll
ich ihn angebrüllt haben, wurde mir erzählt.
Schließlich hatte er ja das arme Rotkäppchen
gefressen» , begründet Feuerstein den kindlichen
Wutausbruch. Gebrüllt werde in Lehde nicht. Die Arbeit mit den
«Hochprofis» empfindet er als sehr angenehm. Und
von dem Resultat ist der Kabarettist überzeugt.
«Schnelle Schnitte, rhythmische Erzählweise, normale
Sprache – das wird ein schöner Film für die
gesamte Familie.»
Für die gesamte Produktion haben 15 Drehtage in Brandenburg
und Berlin zur Verfügung gestanden. Gestern wurden die
Arbeiten abgeschlossen. Die Szenen des Märchens, die sich im
Reich der Frau Holle abspielen, sind in einem Filmstudio in Berlin
aufgezeichnet und mit Spezialeffekten sowie Sounddesign versehen
worden. Dort war auch Marianne Sägebrecht als Frau Holle
dabei, die im irdischen Märchenteil nicht vorkommt.
Im Auftrag der ARD werden bis zum nächsten Sommer insgesamt
sechs Märchen der Gebrüder Grimm im gesamten
Bundesgebiet verfilmt, darunter «Der
Froschkönig» , «Tischlein deck’
dich» und «Das tapfere Schneiderlein» .
Zur Weihnachtszeit 2008 wird die ARD die Märchen-Klassiker
präsentieren.
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Lausitzer Rundschau - 29.9.2007 - Alle Rechte
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