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Feuersteins
Reisen Rezensionen Unterwegs mit Einerlei - Erkenntnis durch Gehässigkeit: Feuersteins Reisen als Buch (aus Süddeutsche Zeitung vom 22.7.2000) von EDO REENTS Was hat jemand, der die Welt und auch die Menschen darin nicht besonders mag, auf einer Reise verloren? Er sollte, wenn er an nichts rechte Freude hat, am besten zu Hause bleiben, allein mit sich und seiner Miesepetrigkeit. Sollte sich der Pessimist und Misanthrop dennoch zu einer Reise aufmachen, dann wohl hauptsächlich, um seine Urteile abzusichern und seine Vorurteile zu bestätigen. Unfähig, sich an der ungewohnten Umgebung zu erfreuen, taucht er dann nicht nur seine Wahrnehmung in schwarze Galle, sondern nachher auch den Bericht darüber. Er nimmt sich immer und überall hin mit, und das ist ein Negativ-Faktor. Es hilft nichts – um halbwegs zu ermessen, welche humoristische, aber auch philosophische Leistung Herbert Feuerstein mit seinem Reisebuch vollbracht hat, müssen wir uns in Erinnerung rufen, was Nietzsche am Anfang seiner zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung geschrieben hat, dass nämlich der Reisende überall und bei allen Menschen den gleichen Hang zum Konformismus feststellt, weil sie zu faul oder bequem dazu sind, sie selbst zu sein; sie wollen lieber sein wie alle andern, sie fürchten sich davor, sie selbst zu sein: „Sie verstecken sich unter Sitten und Meinungen. Im Grunde weiss jeder Mensch recht wohl, dass er nur einmal, als ein Unikum, auf der Welt ist und dass kein noch so seltsamer Zufall zum zweiten Mal ein so wunderlich buntes Mancherlei zum Einerlei, wie er es ist, zusammenschütteln wird: er weiss es, aber er verbirgt es wie ein böses Gewissen – weshalb?“ In diesem Sinne ist Herbert Feuerstein ein gewissenloser Mensch. Er reist ganz als der Menschenverächter, als den wir ihn kennen, und gibt sich erst gar keine Mühe, die Geringschätzung zu verbergen, mit der er, halb amüsiert, halb ängstlich, auf die Welt blickt. Was er von seinen im Auftrag des WDR absolvierten Reisen nach Alaska, Vanuatu, Arabien und Mexiko erzählt, ist frei von dem Bedürfnis, dies anschaulich oder gar didaktisch sinnvoll zu tun. Feuersteins Reisen waren schon im Fernsehen in einer gleichnamigen Reihe zu sehen; aber es war, sagt Feuerstein, nicht die ganze Wahrheit: „In diesem Buch kann ich endlich loswerden, was wirklich geschah – von der täglichen Panik, nicht genug zu erleben, über die Krisen im Team bis zum Mordversuch durch meinen eigenen Regisseur.“ Den hat der Reisende genauso gut überstanden wie alles andere, und das ist ein großes Glück, nicht nur für ihn. Denn wir werden bestens unterhalten von seinen Gehässigkeiten, die, wie bei allen großen Pessimisten, erkenntnisstiftend wirken. Der Ort, an dem Feuerstein seine Einsichten gewinnt, ist dabei ganz egal. Er ist darauf aus, Beziehungen dort zu stiften, wo man am wenigsten vermutet, dass es welche gäbe. Bei einer Ölbohrung in Alaska wähnt sich der Reisende auf den Spuren von Humboldt, Livingstone und Amundsen: „Kein Wunder, wenn man da ins Philosophieren kommt: All diese Mühen, Kosten, Qualen, mit ihren oft fürchterlichen Folgen, nur damit endlich so ein bisschen klebriges Zeug rausspritzt. Mit anderen Worten: Genau wie bei meinem ersten Samenerguss.“ Dieser Humor funktioniert nach dem Prinzip des verlängerten Vorhalts, wie wir diesen aus Richard Wagners Leitmotivtechnik kennen und später von Otto Waalkes (dem Feuerstein eine wunderbare Reminiszenz widmet): Die Erwartung einer Pointe wird absichtlich gedehnt, bis sie dann umso überraschender einschlägt. Ein anderes Beispiel: „In ganz Alaska hatte ich nirgendwo so gut gegessen, obwohl Produzent Wolpers . . . absolut großzügig ist und sich immer bemüht, für uns nur die besten Restaurants zu finden. Schade, dass diese Bemühungen niemals erfolgreich waren.“ Aber das ist noch nicht alles. Herausragend lustig sind die Bildunterschriften, die der Autor dankenswerterweise angefügt hat. Da sehen wir Feuerstein an einer Propellermaschine stehen wie ein Ranger, knapp die Balance haltend. Kommentar: „Wer je mit einem Wasserflugzeug geflogen ist, weiß, dass es üblich ist, vor dem Start von der Kufe aus zu pinkeln. Ich bin aber schon fertig.“ Wer sich hier an das Reisebuch Die Letzten Ihrer Art von Douglas Adams und Mark Carwardine erinnert fühlt, der liegt richtig. Wie alle großen Pessimisten und Misanthropen widmet sich auch Feuerstein den Dingen nur, um dabei Betrachtungen über sich selbst anstellen zu können. Darin besteht der enorme Reiz dieses Buchs. Wer diese Eitelkeit, ohne die kein Künstler auskommt, nicht mag und wer darüber hinaus lieber etwas unverzerrter über andere Länder, andere Völker und andere Sitten informiert werden will, der sollte zu einem anderen Reiseführer greifen. Alle anderen aber müssen dieses Buch lesen. Denn es ist sehr lustig. Und der WDR oder irgend ein anderer Sender sollte sich überlegen, ob Feuersteins Reisen nicht auch mal wieder was fürs Fernsehen wären. Herbert Feuersteins satirische Reisen (aus von Daniel Brunner Neunmal ist Herbert Feuerstein mit einem Kamerateam durch die Welt gereist, von Alaska bis in die Südsee, von Arabien bis Mexico. Und insgesamt 20 Millionen Zuschauer haben sich im WDR an seinen hintergründig-kuriosen Berichten über nasenreibende Eskimos und menschenfressende Melanesier ergötzt. Im Buch zur Serie erzählt Feuerstein nun, wie die Reise wirklich war: “Von der täglichen Panik, nicht genug zu erleben, über die Krisen im Team bis zum Mordversuch durch meinen Regisseur“. Der Autor ist ein überbordender Geschichtenerzähler. Getrieben von der rastlosen Neugier eines verspäteten Renaissance-Menschen, reist er an den Polarkreis, um zu erkunden, was es mit dem “Fauenverleih“ der Inuits wirklich auf sich hat; er nimmt auf der Südseeinsel Vanuatu am magischen Geistertanz der Nambas teil und geht in Arabien der Frage nach, warum es in den Emiraten einen akuten Arabermangel gibt. Eine tiefere Art der Erkenntnis Die Antworten werden anekdotenreich, ausschweifend und meist auch mit erkennbarem Augenzwinkern erzählt. Aber immer vermitteln die Reiseerlebnisse auch eine Art tiefere Erkenntnis - und sei es die, dass man ohne Drehgenehmigung in der angeblich grenzenlosen Freiheit Alaskas nichts filmen darf - ganz zu schweigen von den Arabischen Emiraten, wo bereits auf leeren Filmrollen unzüchtige Darstellungen aus tausendundeiner Nacht vermutet werden. Seiner Tradition gemäß hat der Haffmans-Verlag ein Reisetaschenbuch für Liebhaber des satirischen Fachs herausgebracht. Wenig erfreulich ist dies für all die darin geschmähten Reisebegleiter und gescholtenen Tourismuswerber. Amüsant hingegen für jene Leser, deren Überzeugung es schon immer war, dass man Reiseberichten im Fernsehen nicht trauen darf. Wie trügerisch Bilder sein können, dokumentieren exemplarisch auch die zwei Dutzend Farbfotos, die den Buchtext begleiten. Eines davon zeigt einen putzigen kleinen Eisbären. Feuersteins Bildkommentar lautet: “Hier fotografiere ich ein Bärenkind. Die mehrere Tonnen schwere Mutter steht wahrscheinlich hinter mir, aber ich weiß es noch nicht.“ wechselberger@werbeagentur.org aus Österreich , 16. Dezember 2000: Besser noch als seine Dokumentationen! Mein Mann und ich lieben schon alle seine Reisefilme, aber dieses Buch übertrifft die Bilder. Wenn man es liest kommt man aus dem Schmunzeln nicht heraus und bei jedem dritten Satz muß man einfach laut lachen. Ich habe seine Berichte so gierig gelesen, daß ich richtig entäuscht war so schnell fertig zu sein. Seine Erzählungen bieten nicht nur Kultur, Geschichte, Geographie, sondern auch ein bißchen Politik und vor allem einiges über die persönlichen Eigenheiten des jeweiligen Volkes (inklusive seine Kämpfe und Scherze mit der eigenen Crew). Sein Humor ist unvergleichbar. Aber am Besten Sie überzeugen sich selber. Ich decke zu Weihnachten meine Freunde mit diesem Buch ein, weil ich weiß, daß sie es lieben werden. Aber jetzt höre ich auf zu schwärmen, denn sonst wird's noch kitschiger, und man könnte vielleicht noch meinen ich bekäme etwas dafür bezahlt. Ungeduldig warte ich jetzt auf die zweite Ausgabe. Viel Spaß beim Lesen! --- cornell.binder@epost.de , 17. November 2000: Manchmal schon zu witzig... Herbert Feuerstein berichtet im Buch von die vielen kleinen Anekdoten und Besonderheiten die es in den Filmen nicht zu sehen gibt. Es ist so kein vollwertiger Reiseführer, sondern eher ein Making-of das durch die Gedanken und Interpretationen Feuersteins ergänzt wird. Dabei erreichen seine zynischen Bemerkungen oft eine so hohe Dichte, das man aus dem Lachen nicht mehr herrauskommt. Ein Buch das man deshalb nicht in der Öffentlichkeit lesen sollte! --- david_hahn@firemail.de aus Deutschland , 26. August 2000: Notwendigkeit für Feuerstein-fans Schon nach der ersten Feuersteinreise im TV war ich total begeistert. Wer die Reiseberichte aus dem TV kennt wird von diesem Buch begeistert sein. Die typisch feuersteinsche Art der Informationsmitteilung ist einfach umwerfend. Lesen, lachen, staunen. Feurstein schneidet gnadenlos jedes Thema an, das man in anderen Reiseberichten vergeblich sucht: Beginnend bei seinen Ängsten bezüglich Wolpers Mordplänen; über einige Probleme bei den Dreharbeiten bis hin zu seiner Angst vor Mehrbettzimmern und der daraus resultierenden Notwendigkeit eines mindest. 5 Sternehotels ist diese Buch ganz und gar gelungen. Ich freue mich schon jetzt auf den angekündigten zweiten Teil. --- Eine Leserin oder ein Leser aus NRW, Deutschland , 27. Mai 2000: Ein MUSS für alle Feuerstein-Fans Wer Feuersteins Reisen gesehen hat, und sich köstlich amüsiert hat, der sollte dieses Buch unbedingt lesen! Zu den ersten vier Reisezielen (Alaska, Vanuatu, Arabien und Mexiko)erzählt Herbert Feuerstein (in seiner unnachahmlichen Weise) lustige Anekdoten und sonstige Eindrücke , die so in den Reiseberichten nur zu erahnen sind. So zum Beispiel die Mordversuche seines Produzenten Wolpers. Es ist nicht unbedingt notwendig die Reiseberichte im Fernsehen gesehen zu haben, aber dann macht es doppelt so viel Spaß!!! Es ist halt doch eine "Ergänzung zum Film" Buchvorstellung von Elke Heidenreich am 7.7.2000 in der Sendung "Zwischen Rhein und Weser" auf Radio WDR 2: "Feuersteins Reisen Sie werden sich daran erinnern, wie grauenhaft unfreundlich ich in der famosen WDR-Ratesendung "Pssst!" immer mit meinem Kollegen Herbert Feuerstein umgegangen bin. Er hatte es verdient, glauben Sie mir. Und jetzt stelle ich fest, dass Herbert Feuerstein und ich etwas gemeinsam haben: unsere Art zu reisen. Das heißt: wenig Vorbereitung, nichts planen, kaum Gepäck, einfach los und sehen, was passiert. Er tut es seit einiger Zeit im Auftrag des WDR, 20 Millionen Zuschauer haben Feuersteins Reisen bisher gesehen. Und nun kann man nachlesen, wie alles wirklich war. Das Buch heißt - na, wie soll es schon heißen, "Feuersteins Reisen" heißt es, enthält entsetzliche Photos von Feuerstein in verschiedenen Ländern, und es zeigt auf dem Titelbild einen zu allem entschlossenen Feuerstein in kurzen Hosen, kurzärmeligem Hemd, mit zu großem Strohhut, er rudert in einer Art Einbaum über ein türkisfarbenes Wasser. Was soll das alles? Herbert Feuerstein schildert seine Reisen mit dem WDR Team nach Alaska, Vanuata (was und wo immer das angeblich sein soll), Arabien und Mexiko. Das heißt, er schildert vor allem seinen unermüdlichen Kleinkrieg mit Regisseur Wolpers, der ihm ganz offensichtlich nach dem Leben trachtet, und das kann ich gut verstehen. Ich hätte genau so gehandelt, ich hätte Feuerstein auch im ewigen Eis ausgesetzt oder ihm Giftschlangen ins Hemd geschoben, ich hätte ihn auf Wanderdünen oder Sonnenpyramiden einfach vergessen, aber ich gebe zu: noch schöner, als das selbst zu tun, ist es, darüber zu lesen. Das Buch ist köstlich. Wir lernen etwas von der Welt kennen, so, wie Herbert Feuerstein sie sieht, also lernen wir nichts kennen, nur Herbert Feuerstein. Weil das schrecklich ist, verlieren wir uns an die Beschreibungen all der Fürchterlichkeiten, die auf diesen Reisen geschehen, all die Häme, die Bosheit, ach, soviel Mißgeschick und Hass, das ward lange nicht. Weil Herbert Feuerstein heimlich viel schlauer ist als man denkt, ist es ein höchst doppelbödiges, uns immer wieder in Irrgärten führendes Buch - unterhaltend, komisch, mit dem besonderen Blick des schlechtgelaunten Komikers, der bezweifelt, dass die Erde rund ist und der den Äquator gern als schmales weißes Band mit Klohäuschen beschreiben würde, denn er weiß, dass die Phantasie immer schöner ist als die Wirklichkeit. Also mischt er sie kräftig durch, die Wahrheit und die Erfindung, die Welt, so wie sie ist und die Weit, so wie Feuerstein sie sieht. Heraus kommt etwas, das mit keinem anderen Reisebericht zu vergleichen ist und das schwankt zwischen neckischen Kriegeranekdoten à la "Wir waren gerade im Puff, als der Golfkrieg ausbrach -" und der klugen Weltbetrachtung des tiefen Melancholikers, der sich überlegt, ob man wohl mit einem Ferrari über Helgoland brettern könnte. Feuerstein kann schreiben. Feuerstein guckt genau hin. Feuerstein findet das, was er sieht, erbarmungswürdig und dichtet tüchtig dazu. Ihn treibt, sagt er, die rastlose Neugier des Renaissance-Menschen, er ist, sagt er, ein Oberprüfer, ein Nachvollzieher im Geiste von Humboldt, Livingston und Amundsen. Aber bei Regen bleibt er lieber im Hotel. Nichts davon stimmt. Feuerstein ist Feuerstein, niemand reist wie er, und also ist das Buch über seine Reisen ein einzigartiger Schatz. Ihr eigener Urlaub wird Ihnen schal vorkommen, nachdem Sie es gelesen haben. "Feuersteins Reisen" von Herbert Feuerstein ist im Haffmans Verlag erschienen und kostet 24.80 DM." Außerdem finden Sie HIER (als PDF) eine Stellungnahme zum wissenschaftlichen Beitrag „Feuersteinsches Zufriedenheits-Theorem“ des Forschers H. Feuerstein (Berlin, Brühl) - verfasst vom Expertenbeirat des Diskussions- und Lesezirkels „Schürbler lesen für den Klimaschutz“ (4.4.2010) |