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TropenhelmWenn einer eine Reise tut...
 
Nach dem Ende von "Schmidteinander" wollte der WDR unbedingt verhindern, dass Feuerstein eine neue Comedy-Show aufzieht, zumal man immer noch damit beschäftigt war, die Exkremente von 10.000 Fliegen und deren Nachkommen aus der Kantine zu entfernen. Also wurde Feuerstein kurzerhand in die Wüste geschickt - und zwar in die Schneewüste von Alaska. Dort drehte er jedoch unter der Leitung vom zum Regisseur aufgestiegenen Ex-"Schmidteinander"-Prügelknaben Godehard WOLPERS! eine Reisedokumentation, die die WDR-Chefetage veranlasste, Feuerstein weiterhin im Ausland Fernsehen machen zu lassen, "Dann haben wir ihn wenigstens nicht hier im Haus." ...So oder ähnlich ist "Feuersteins Reisen" entstanden. Der WDR gab Geld, und Feuerstein reiste um die Welt. Jedenfalls drei Folgen lang, dann wechselte Feuerstein mit dem kompletten Team für weitere drei Folgen zu Sat.1. Diese Episoden wurden nach der Erstaustrahlung im Privat-TV vom WDR aufgekauft und befinden sich seit dem im Programmfundus des Westdeutschen Rundfunks, zusammen mit den ersten und den letzten drei Folgen von 1999. Klingt ein wenig verwirrend, ist es aber auch. Ähnlich verhält es sich mit den Büchern zur Serie. Die Rechte DAFÜR liegen zwar nicht beim WDR, aber auch nicht mehr beim Haffmans Verlag. Aber das ist eine andere Geschichte...
 
KanuPresse-Info vom WDR:
 
Feuersteins Reisen verlaufen genau so, wie er es ohne Kamera gewohnt war. "Ich lese vorher viel, nehme mir bestimmte Ziele vor, ohne mich festzulegen, fahre mit möglichst wenig Gepäck los - und erlebe dann, daß alles ganz anders ist." Außerdem besucht er so gut wie nie eine Gegend zweimal. "Wenn es schön war, wird man das zweite Mal nur enttäuscht - und wenn es mies war, will man sowieso nicht wieder hin", lautet seine Erkenntnis. Interessant ist für ihn jeder Winkel der Welt, am liebsten Ziele, von denen man zwar eine vage Vorstellung hat, aber bei näherem Nachdenken feststellt, daß man doch nichts darüber weiß. Es sollten keine Satiresendungen werden, aber auch kein Kultur- oder Reise-Magazin, sondern einfach seine ganz persönliche Art, die Welt zu erkunden. Dabei sieht er sich als eine Art zu spät geborener Marco Polo, der persönlich nachprüft, was man uns immer einredet: Ob die Erde wirklich rund ist, ob die Mitternachtssonne tatsächlich 24 Stunden lang scheint, und ob die Fata Morgana echt ist und nicht so ein billiger Touristen-Schwindel wie zum Beispiel die Schlangenbeschwörung. "Ich bin ein Kultur-Vagabund, ständig bereit, mir das Fremde anzueignen, und wenn ich mich dabei lustig mache, dann nur über mich selbst. Ich habe großen Respekt vor anderen Kulturen, ich esse alles, was nicht gerade vom Teller flieht, aber wenn ich den ganzen Tag durch den Wüstensand krieche, möchte ich abends nicht nur Wasser finden, sondern ein Luxushotel." Gereist wird im kleinstmöglichen Team: Feuerstein, ein Kameramann, ein Tonmeister, der Produzent/Regisseur mit dem Bargeld-Beutel um den Bauch, sowie ein jeweils vor Ort geheuerter Führer und Aufnahmeleiter, der für Behördenkram, Hotels und Transportprobleme zuständig ist. Trotzdem passierte es auf jeder Reise, daß das Team irgendwo mal ein paar Tage festsaß und auf etwas wartete, was dann doch nie kam - außer ausgerechnet auf der entlegensten Insel von Vanuatu, wo das einzige Flugzeug des Tages schon ein halbe Stunde vor der Zeit zum Startpunkt gerollt war, aber auf flehentliches Bitten per Funk und heftiges Winken auf der Rollbahn doch tatsächlich wieder zurückratterte. Gab es auch Gefahren? Ein vom Tauchen entzündetes Ohr für den Kameramann, ein paar Durchfälle für den Produzenten und der Stich einer afrikanischen Killerbiene zwischen die Zehen des Führers. Wasserfall"Die wirklichen Gefahren werden mir erst klar, wenn ich das Material auf dem Bildschirm sehe", kommentiert Feuerstein. "Es ist der totale Wahnsinn, auf was man sich vor der Kamera einläßt - Dinge, die ich sonst niemals im Leben tun würde!" Zum Beispiel, sich auf glitschigen Steinen unter einen 30 Meter hohen Wasserfall zu stellen; oder nachts vor dem Rand eines Vulkans zu filmen, mit noch heißen Lavabrocken rings herum; oder eine nächtliche Ruderpartie per Einbaum im bewegten Meer, den Koffer über dem Kopf, die Füße bis zu den Waden im Wasser; oder mit Fensterputzern auf schwankender Plattform zwanzig Stockwerke einen Wolkenkratzer hoch. "Die Kamera verleiht einem so etwas wie Immunität, eine Scheinsicherheit, denn man denkt in dem Augenblick, es ist ja alles nur ein Film und gleich kommt der Bühnenmeister und baut die Kulissen ab. Da vergesse ich glatt meine tierische Höhenangst, meinen Horror vor tiefem Wasser - aber wenn ich es hinterher sehe, dann rollen sich mir die Zehen auf. (WDR)
 
Presseartikel zu "Feuersteins Reisen":
 
Windgebeutelt im ewigen Eis
(aus "Süddeutsche Zeitung" vom 23.12.1995)